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November 22, 2012
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Fast hätte Achilles seinen Helm in die Flut geworfen, so heiß brannte der Zorn in seinem Herzen. Der König. Wie hatte er bloß je so dumm sein können, sich auf dessen Spielchen einzulassen? Perfide Strategien, wohin er nur blickte. Ja, dumm war er gewesen. Dumm und unerfahren. Doch war er denn heutzutage überhaupt klüger als damals? Wohl kaum.
Erneut war er ihm auf den Leim gegangen. Er, der große Achilles. Sein Lächeln war bitter. Nun, fast vier Jahre nach seiner ersten Einberufung hatte er zwar gelernt, Freund von Feind zu unterscheiden – von Agamemnons Truppen kam er deswegen aber auch nicht mehr los. Zu stark wog die Pflicht, die ihm und den Myrmidonen, seinen Männern, auferlegt worden war. Sie konnten sich nicht mehr abspalten, der König ließ sie nicht gehen und das Band, das Achilles mit seinen eigenen Truppen verband, war zu stark als das er sie je im Stich hätte lassen können. Agamemnon war gefährlich, rücksichtlos und stets nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Er würde nur an seinen Sieg denken, nicht an die Männer, die für diesen ihr Leben lassen mussten. Wenn das so weiter ging, würden sie ohnehin bald alle tot sein, soviel stand fest. Seine Strategien wurden immer törichter, sein Vordringen in feindliche Gewässer ohne Rücksicht auf Verluste. Deshalb war es auch Achilles, auf den alle zählten, ja, dem sie vertrauten und blindlings in die Schlacht folgen würden. Wenn er ging, zerfiel die Gruppenmoral zu Staub – zu groß war die Angst vor dem, was die Trojaner hinter ihren Mauern verbergen mochten. In hunderten von Jahren hatte sie kein Heer einnehmen können. Nun lag es an den Griechen, das Unmögliche möglich zu machen, während Agamemnon lächelnd dabei zusah. Achilles hätte schreien können vor Wut. Seine Finger schlossen sich fest um den Griff seines Einhänders.
„Achilles? Achilles, wo steckst du denn?"
Patroklos war aus einem der Zelte gekrochen. Seine Stimme klang warm und sorgenvoll zugleich, was Achilles keinesfalls entging. Instinktiv spürte er, was seinen Vetter beschäftigte –immerhin war Patroklos stets sein allerbester Freund gewesen und er selbst liebte ihn wie einen Bruder. Es war ihm also ein Leichtes, ihn zu durchschauen, selbst oder gerade in Zeiten wie diesen. Sein Innerstes war wie ein offenes Buch und er konnte darin lesen, jedes einzelne Wort. Achilles seufzte schwer.
Eines musste er sich nach all den Jahren eingestehen: Er bewunderte Patroklos aufrichtiger als jeden anderen Menschen, dem er je begegnet war. Irgendwie fand er stets freundliche Worte, selbst für diejenigen, die es nun wirklich nicht verdient hatten und seine Taten erfüllten die Herzen aller mit Wärme. Er war so stark, innen und außen. Er hatte es zu einer Größe gebracht, von der er, der als eigentlicher Held galt, nur träumen konnte. Und dennoch.
Achilles zog es vor, ihn erst einmal nicht in seine Gedanken einzuweihen. Zumindest noch nicht. Es würde seinem sanften Gemüt nicht gut bekommen, derartige Lasten zu tragen, also schwieg er solange, bis sein Freund kehrt machte und woanders seine Suche nach ihm fortsetzte. Dabei unterdrückte er den Drang, einfach die Hand nach ihm auszustrecken und ihm alles zu verraten, was ihm seit Wochen durch den Kopf ging. Es wäre so leicht gewesen, so befreiend. Doch nein, zu aller erst musste er sich etwas sammeln, über Geschehenes und Kommendes reflektieren und Entscheidungen treffen – und dazu wollte, ja, musste er unbedingt allein sein. Es half nichts. So gern er seinen Vetter auch bei sich gehabt hätte, so lag es nun doch an ihm, die Last ihres Auftrags zu tragen. An ihm allein.
Der Krieger seufzte erneut. Selten nahm er sich noch die Zeit für derartige Momente der Einsamkeit und er wusste diese auch sonst nicht sonderlich zu schätzen. Im Gegenteil: Die Stille war ihm verhasst. Stets suchte er ihre lauten Gegenpole, mischte sich unter die Leute, deren Gesellschaft ihn mit Leben erfüllte und das perfekte Gleichgewicht zu seinen Ängsten bildete. So zumindest war es früher immer gewesen. Nun aber erschien ihm das Alleinsein bitter nötig. Für den Augenblick.
Sein Blick wanderte über die Küste. Das Meer zu seinen Füßen tobte – er konnte es sehen und fühlen. Gewaltige Wassermassen schossen in Säulen empor und griffen nach ihm, verfehlten ihn jedoch knapp. Stattdessen brandeten sie glasklar wie ein Vorhang aus Schaum an den Felsen, auf denen er stand und zogen sich schließlich in die Tiefe zurück. Gern wäre Achilles mit ihnen gegangen. Auch ihn zog es hinaus, weit weg in die Welt, an ferne Orte, die Ruhm und Ehre versprachen. Länder, die eines Kriegers wie ihm bedurften. Einmal würde er sie sehen können. Irgendwie konnte er es spüren.
Der Tag war zwar noch nicht angebrochen, da strömten bereits Menschen in den Hafen von Mykene und brachten tonnenweise Handelsware, Waffen und Ruder mit sich. Der Geruch fremdländischer Gewürze, nassen Holzes und verschwitzter Haut erfüllten bald die Morgenluft, deren Duft seine Lungen durchströmte. Das Meer roch salzig und rau, so, wie er es kannte und liebte. Seine langen Haare wehten im Wind und erinnerten ihn an die Banner jener Herren, denen diente. Der Gedanke daran ließ ihn schlucken. Seine Handflächen schwitzten. Nein, eines stand fest: Er musste sie begleiten, ihnen den Rücken freihalten. Ohne ihn war der Krieg schon verloren, ehe er erst begonnen hatte. Das wusste auch Agamemnon, dessen Boten ihn inzwischen täglich aufsuchten und zu locken versuchten. Eingegangen war er auf keines ihrer Angebote, jedenfalls noch nicht. Bald würde er die endgültige Entscheidung treffen müssen und der Gedanke allein bereitete ihm Magenschmerzen. Übelkeit. Und ein rasendes Herz, so schmerzhaft und glühend vor Sorge, dass er sich die ersten Male hatte setzen müssen, um nicht die Balance zu verlieren. Seine Hauptsorge galt dabei keineswegs seiner eigenen Sicherheit, sondern der seiner Freunde, allen voran Patroklos, den er um nichts in der Welt je eingetauscht hätte. Leider war jener nicht halb so kampferprobt, wie Achilles es für nötig befunden hätte, ließ sich aber auch nichts sagen und bestand regelrecht darauf, ihm und den Myrmidonen im Kampfe beizustehen. An das eigene Wohl, das wusste Achilles genau, dachte sein Waffenbruder dabei nicht eine Sekunde lang – so selbstlos und gut war Patroklos und Achilles bewunderte ihn dafür. Mochten ihn die anderen doch für schwach halten, er wusste es besser. Patroklos war besser als sie alle zusammen. Vielleicht nicht, was seine Muskeln betraf, aber dafür umso mehr im Herzen. Ob ihm das was nützen würde, wusste Achilles leider nicht.  Doch für die Sicherheit Agamemnons wollte er es hoffen, fürwahr! Ansonsten würde nicht nur Troja brennen und das wusste sein König ebenso sehr wie die anderen.
Abwesend blickte sich der Krieger um. Fischer und Händler der ganzen Stadt schien es heute ans Meer verschlagen zu haben, denn inzwischen wimmelte es überall nur so vor Menschen, die sich an ihr Tageswerk gemacht hatten. Fischernetze wurden geknüpft, Kisten verladen und Schiffe seetauglich gemacht – die meisten davon stammten von Menelaos Flotte, die alle Truppen direkt nach Troja befördern sollte. Ans Ende der ihnen bekannten Welt und vielleicht darüber hinaus. Achilles konnte den Hades buchstäblich schon fühlen. Ihm sollte es recht sein. Der Tod konnte ihn nicht schrecken, nicht mehr. Er würde sich seinen Ängsten stellen, mutig sein. So wie Patroklos. So, wie es seine Männer von ihm erwarteten.
So, wie die ganze Welt.  


© Maja Vallazza
Hallo allerseits! Hier nun mein erstes öffentliches Prosa-Werk "Ebbe und Flut", eine Art Besinnung auf Homers "Ilias", nur eben auf meine eigene Art und Weise und durchzogen von meinen eigenen Gedanken.

Die Hintergrundgeschichte müsste den meisten von euch geläufig sein: Die Griechen führen Krieg gegen Troja, König Agamemnon und Achilles kämpfen auf derselben Seite (nämlich Griechenland), hassen sich aber wie die Pest. Achilles zeichnet sich hierbei als positiverer Charakter aus, da er für das klassische Konzept von Ehre und Tapferkeit steht. Doch unter der Oberfläche brodelt es...

Homer-Fanatiker mögen mir verzeihen, wenn ich irgendwelche Details außer Acht gelesen habe, aber das ist wirklich vor allem meine eigene Sicht auf die Geschichte und obendrein nur ein winzigkleiner Ausschnitt daraus. Sollte dieser Teil der Geschichte hier gut ankommen, kann ich aber noch gerne weiterschreiben und noch sehr viel mehr über den trojanischen Krieg schreiben - es liegt ganz bei euch. Würde euch ein solches Projekt interessieren? Und wie findet ihr den bisherigen Text überhaupt? Gefällt er euch, gefällt er euch nicht? Und warum? :heart:

Bitte schreibt es mir unten in den Kommentaren!

P.S. Nur, weil ich nicht die Urheberin der ursprünglichen Geschichte bin, bedeutet das nicht, dass dieser Text hier Allgemeingut ist! Die Rechte liegen immernoch bei mir, da ich die Schöpferin dieser Version bin. Das macht also jede Art der Reproduktion/Veränderung unter eigenem Namen strafbar. Nicht vergessen!


Ebbe und Flut © Maja Vallazza

:iconstop1plz::iconstop2plz::iconstop3plz::iconstop4plz:
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:iconschwarzemoewe:
schwarzeMoewe Featured By Owner Oct 21, 2014
Das hier ist ja nun schon ein wenig älter, aber es hat mir so gut gefallen, dass ich trotzdem noch einmal etwas dazu sagen möchte. Dabei kann ich gar nicht mehr so genau sagen, wie ich hier eigentlich hergekommen bin ... Jedenfalls liegt die Geschichte schon seit einiger Zeit in meinen Lesezeichen und wollte jetzt kommentiert werden. :) Also los!

Du hast Achilles als einen Menschen beschrieben, wie ich ihn auch in dem Film "Troja" verstanden habe. Wobei er dir hier noch ein wenig zögerlicher geraten ist. In Troja hat er sich ja von Ruhm und Ehre ködern lassen. Die Zweifel sind aber absolut okay, es ist eine subjektive Sache, die dir gut gelungen ist. Dabei finde ich insbesondere (weil das unten irgendwo mal gesagt wurde), dass die Formulierungen sehr klar machen, dass all das hier sich in Achilles Kopf abspielt. Diese Nähe kommt durch "so"s und eingestreute Informationen, die für Achilles vollkommen natürlich sind. Diese Details machen den Text schön lebendig (die Schiffe aus Menelaos Flotte, die Normalsterblichen mit ihrem Tagewerk und die Beladung der Schiffe). Irgendwie steht Achilles über diesen Dingen. Es interessiert ihn auch gar nicht so richtig, was da eingeladen wird. Du schreibst "tonnenweise Handelsware, Waffen und Ruder" und das trifft es ganz gut. Da sind halt die Ruder, weil sie sich in Schiffen fortbewegen müssen, und die Waffen, weil sie kämpfen müssen ... und halt der Rest, der ihn gar nicht so richtig interessiert, weil er für ihn nicht wichtig ist. Für ihn zählen nur die Männer, die er verlieren wird, weil Agamemnon größenwahnsinnig (und liebeskrank) ist. ;)

Dann hast du dich vom Stil her gut bei den Kurzgeschichten bedient. Es wird erst nach und nach klar, wo Achilles eigentlich ist und wann diese Szene stattfindet.

Kurzgefasst: Gefällt mir sehr gut. Schade, dass es nicht nach einer Fortsetzung aussieht. :(
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:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Nov 24, 2012  Hobbyist Writer
Sorry, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt ein klein wenig wie ein Klugscheißer rüberkomme, aber „denn inzwischen wimmelte es überall nur so vor Menschen, die sich an ihr Tageswerk gemacht hatten.“ ist gramatikalisch richtig. Das Haupttempus ist imperfekt ("wimmelte"). Der Nebensatz geht dann nochmal weiter in die Vergangenheit, da die "wimmelnden" Leute ja bereits bei ihrem Tagewerk waren, d.h. sich nochmals früher daran "gemacht hatten". D.h. das Plusquamperfekt ist hier völlig korrekt.

Auch einige andere Kritikpunkte meines Vorredners würde ich deutlich weniger negativ (oder sogar explizit positiv) sehen. So wird hinsichtlich des "Königs" sehr wohl gesagt, dass es sich um Agamemnon handelt. Ebenso unproblematisch finde ich, dass nur erwähnt wird, dass die Kaufleute "Handelswaren, Waffen und Ruder" bringen. Natürlich braucht man für einen Kriegszug noch viel mehr, aber eine erschöpfende Auflistung wäre für den Leser wohl eher langweilig und ermüdend. ;) Alles nicht genannte kann sich der Leser problemlos denken. Last but not least hat es mir sogar gefallen, dass man allmählich in die Geschichte hineinkommt, d.h. dass man ein paar Zeilen braucht, bis man versteht, wo und - wichtiger noch - in welcher Situation sich Achill gerade befindet.

Zum Schluss noch ein allerletztes Wort. Ich schreibe selber ein wenig (aber eher trivialen Blödsinn, derzeit arbeite ich gerade an einer völlig harmlosen Fantasygeschichte. D.h. ich habe mich noch nie(!) an ein so schwieriges und anspruchsvolles Thema gewagt wie das hier vorliegende). Trotzdem weiß ich, dass man sich als Autor auch wünscht, dass die eigenen Texte auch gelesen werden. Es müssen ja keine Menschenhorden sein, die das eigene Werk verschlingen, aber wenigstens einige wenige sollte es geben, die man damit erfreuen kann. Daher kann ich die Frage gut verstehen, ob man mit so einem ergeizigen, schwierigen und zeitintensiven Werk fortfahren soll. Meine Antwort kennst Du!
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Dec 11, 2012  Hobbyist Writer
Oh du großer Klugscheißer der du bist im Himmel.
Geheiligt werde deine Weisheit.
Dein Niveau komme. Dein Wissen geschehe. So wie im Internet, so im Real Life.

Beantworte deinen unterwürfigsten Diener eine einfache Frage.
Über welche griechische Stadt herrscht Agamemnon?
Das weiß ich nicht.
Und ich bitte deine Großartigkeit untertänigst um Vergebung, dass ich mir diesen saublöden Namen nicht merken kann und deshalb ausschließlich das Synonym "König" benutzt habe.
Und erlöse mich von meiner Unwissenheit, die ich im Kommentar in Klammern bekennt habe.
Amen.
Reply
:icontutziputz:
Tutziputz Featured By Owner Dec 11, 2012  Hobbyist Writer
Ups, dafür dass Du bei Deiner Kritik ganz schön ausgeteilt hast, scheinst Du relativ schlecht einstecken zu können!

Sorry für diese harschen Worte, aber was soll ich sonst zu einem derart bösartig-ätzenden Kommentar sagen?

P.S.: Als echter Klugscheißer (ja, ich kann wirklich einer sein) weiß ich natürlich, dass Agamemnon über Mykene herrschte.
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Dec 11, 2012  Hobbyist Writer
Hurra! Jetzt sterbe ich doch nicht ganz so dumm.

PS: Einstecken kann ich schon, bloß nicht jeder kann das Echo ab. =P
Reply
:iconairikanda:
AiriKanda Featured By Owner Nov 24, 2012  Professional
Also ich freue mich immer total, deine Meinung zu hören! :) Von Klugscheißer kann da nicht die Rede sein. :heart: Außerdem ist das hier ein freies Land, in dem jeder seine Meinung sagen darf und ich höre mir stets alles an, was ihr mir schreibt.

Stimmt, da hab ich mich auch zunächst etwas gewundert, da ich ja Plusquamperfekt verwendet habe, was in diesem Falle wirklich stimmen müsste. Aber klar, ich bin immer vorsichtig, schließlich weiß ich zu gut wie betriebsblind und voreingenommen man bei den eigenen Texten sein kann. Deshalb zähle ich auch stets auf eure kritischen Blicke, damit ich sowas dann entsprechend korrigieren und besser machen kann. In diesem spezifischen Fall dürfte ich aber wirklich keinen Fehler gemacht haben. Danke, Tutziputz! :)

Auch hinsichtlich deines Lobs zum Handlungsaufbau möchte ich dir ausdrücklich danken - das ist wirklich sehr nett von dir und freut mich total, zumal ich schon befürchtet habe diesbezüglich Mist gebaut zu haben. Aber gut, wenn ihr das beide unterschiedlich seht kann das wohl nur bedeuten, dass ich doch einiges richtig gemacht hab (und natürlich auch das ein oder andere verbessern sollte, so ist es ja immer, nicht wahr?). :) Ich bin wirklich glücklich darüber, so etwas zu erfahren.

Ich versteh dich vollkommen! So geht es mir eben auch. Auch ich würde mich eben über eine bescheidene Leserschaft freuen und bin gern bereit, auf deren Meinungen, Anregungen und Wünsche einzugehen - wäre es nicht so, würde ich nicht dauernd fragen. Das bedeutet ja nicht gleich, dass ich keine eigene Meinung habe, man kann ja gleichzeitig seinen eigenen Stil haben und trotzdem noch offen für Argumente aufseiten der Leserschaft sein, oder? Schließlich schreibe ich ja nicht nur für mich selbst, sondern auch für euch. Wäre mir eure Meinung egal, würde ich die Sachen ja niemals öffentlich posten! :) Und ich werde damit definitiv weitermachen, gerade wegen den positiven Rückmeldungen, die mich wirklich sehr motiviert haben. Bald gibt es wieder Nachschub!
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Nov 23, 2012  Hobbyist Writer
Hier dein Geburtstagsgeschenk mit imaginärem Schleifchen. Wie du wolltest, kommt hier meine Kritik. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Troja ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, dass du da auserkoren hast.

Kommen wir aber erst einmal zum handwerklichen Teil deines Textes.
Dieser ist sehr gut. Grammatik und Satzbau sind nahe zu perfekt. Hier und da ein kleiner Fehler nichts Großes. Einzig dass du ziemlich viele Kommas setzt, wäre zu erwähnen. Nicht das sie falsch wären, sie sind größtenteils Stilsache. Ich will dich nur darauf aufmerksam machen, da es eine potenzielle Fehlerquelle werden KÖNNTE. Damit du da mal ein bisschen aufpasst.
Hier und da wirkt deine Erzählperspektive etwas zu subjektiv, durch Wörter wie „so“ oder „zwar“. Da sollte man es entweder als vollendete Tatsache darstellen oder einen indirekten Gedankengang setzten.
Außerdem solltest du die Namen der Figuren hier und da öfters nutzen, damit man nicht so leicht durcheinander kommt. Nicht dass ich durcheinandergekommen bin, aber ich will einfach mal darauf aufmerksam machen.
Eine Schwäche von dir ist es, die Zeiten durcheinander zu bringen. Du benutzt gerne das Perfekt, obwohl es eigentlich Präteritum wäre. Beispiel: „denn inzwischen wimmelte es überall nur so vor Menschen, die sich an ihr Tageswerk gemacht hatten.“
Dabei sollte es eigentlich lauten: „…, die sich an ihr Tageswerkt machten.“, denn sie taten es ja gerade in der Vergangenheit.
Aber die größte Schwäche bei deinem Stil ist, dass er teilweise zu allgemein gehalten ist.
Ich will da mal die Stelle rausnehmen, wo Achilles überlegt aus der ganzen Unternehmung auszusteigen. Im vorherigen Satz hast du noch von ihm als motivierendes Symbol des Krieges geredet, dann aber kam die Stelle wo Achilles „ging“. Ich dachte zuerst du meintest damit, dass er in die Schlacht zieht und nicht dass er desertiert, wie du es eigentlich beabsichtigt hast.
Dann war das Kapitel auch noch etwas verwirrend aufgebaut, weil du keine genaueren Bezeichnungen des Schauplatzes benutzt hast. Zuerst dachte ich, Achilles befände sich im Zeltlager vor den Mauern Trojas, dann war er plötzlich auf einen Felsen und dann stellte sich heraus, dass sie noch gar nicht in See gestochen sind. So empfand ich das. Da hättest du noch etwas genauer werden können, denn durch das Ganze Geschwafel von Schlacht und dem König dachte ich, der Krieg wäre im vollen Gange.
Da musst noch etwas genauer werden. Aber du solltest dir auch bewusst sein, dass diese Schwäche auch zum Vorteil gemacht werden kann, um den Leser auf eine falsche Fährte zu locken.

Kommen wir jetzt zu der eigentlichen Geschichte. Wie gesagt, es war etwas schwer die Bühne nachzuvollziehen, weil man nie genau wusste, wo man sich gerade befand.
Da gibt es eine Stelle, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. „Gewaltige Wassermassen schossen in Säulen empor und griffen nach ihm, verfehlten ihn jedoch knapp.“=Was ist mit der Gischt, die ihn hätte ins Gesicht spritzen können?
Oder warum bringen die Händler zuerst nur Klingen und Ruder? Für eine Armee braucht man eine ganze Menge mehr. Nahrung, Material, Werkzeug, etc.
Aber ansonsten bleiben da eigentlich noch zwei große Fragen. Als allerstes kommt das Wichtigste, nämlich das Warum. Warum zieht der König (ich wüsste gerne von was er nochmal König war) in den Krieg? Ist es wieder wegen der Königstochter (wenn ich mich recht entsinne) oder hast du dir da etwas anderes ausgedacht? Schließlich ist es eine/deine Neuinterpretation, richtig?
Die zweite Frage betrifft wieder den König, plus Achilles. Wie wurde der Krieger ausgetrickst? Er scheint nicht mitgehen zu wollen, tut es aber doch, wegen Kriegerehre etc. Wie hat der König das geschafft?

Jetzt kommen wir zu den Figuren. Die sind dir wirklich gut gelungen. Vor allem die Darstellung der Beziehung zwischen Achilles und Patroklos.
Achilles hast du sehr schön dargestellt. Mir persönlich ist er etwas zu Klischeehaft. Der von Zweifeln geplagte Krieger, den dennoch alle vergöttern und der sich nichts anmerken lassen will. Was ich damit sagen will ist, dass mir bei diesem Zeitgenossen die Ecken und Kanten fehlen. Ok.
Dann wäre da noch der beste Freund und freundliche Vetter dieser Patroklos, der sich für meinen Geschmack etwas zu perfekt in die Konstellation integrieren lässt, aber auch das ist ok.
Kommen wir nun zum „Schurken“ dieses Kapitels dem König, dessen Namen ich leider vergessen habe. Ich finde, dass du mit deinen Behauptungen etwas mehr ins Detail hättest gehen können. Wie er seine Leute in der Schlacht opfert und so. Da wäre ein Beispiel angebracht gewesen.
Hat er seine jüngsten Soldaten mit voller Absicht an die vorderste Front geschickt, obwohl diese nichts davon wussten, nur damit seine erfahreneren Soldaten dem Feind in die Flanke fallen konnten? Bilanz: Junge Soldaten sind allesamt abgeschlachtet worden und er hat gesiegt. Sowas hat da irgendwie gefehlt, um ihn und seinen Charakter besser darstellen zu können.

Nebenbei möchte ich noch anmerken, dass sich mir der Titel nicht erschlossen hat. Warum heißt es nochmal „Ebbe und Flut“? Was hat das mit einem Achilles zu tun, der in den Krieg zieht?


Und jetzt kommen wir als letztes zu deiner Frage. Weiterschreiben: Ja? Nein?
Meine Antwort: Wenn interessiert´s! DU schreibst. Es ist DEIN Werk. Wenn du weitermachen willst, schön. Wenn du aufgibst, ok. Das ist dein BIER! Du bist die Künstlerin und als solche solltest du nur dir selbst gefallen. Dehn und Streck dich nicht für andere. Du kannst es dir leisten. Und wenn du nur einen einzigen Leser hast der deine Werke mag, hast du schon mehr als gewonnen. Also bleib dir selber treu und entscheide dementsprechend.

Das war es von mir. Ich hoffe dir hat eine solche Kritik vorgeschwebt.
So jetzt kannst du mal meine ganzen Sachen kritisieren, bevor ich weitermache ;)

PS. Habe eine Liste mit Rechtschreibfehler plus Korrektur, die du haben kannst wenn du willst. Sag mir bloß ob du sie per Comment oder PN überbracht haben willst.
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:iconairikanda:
AiriKanda Featured By Owner Nov 24, 2012  Professional
Vielen, vielen Dank noch mal für dein großartiges Feedback, SaKar, das war wirklich ungemein hilfreich und interessant zu lesen!! :) Ein tolles Geburtstagsgeschenk, für das ich mich gerne revanchieren werde.

Danke für das Lob bezüglich der Grammatik, das ist schon mal sehr erfreulich zu hören. Wie gesagt, die Rechtschreib-Korrekturen wären ungemein hilfreich, wenn du sie mir also schicken würdest, wäre ich dir ein weiteres Mal unglaublich dankbar (ob PN oder Comment ist egal, aber vielleicht ist PN ein bisschen besser)! Dann kann ich diesen Text gleich mal überarbeiten und ergänzen, zumal mich dein Feedback bezüglich der Ausführlichkeit von Handlung und Charaktere nachdenklich gestimmt hat. Schließlich will ich ja, dass sich das Ganze so schlüssig wie nur irgendwie möglich liest. Da werde ich also noch so manches ergänzen müssen. Besonders die Charaktere sind mir ja sehr wichtig, da mir diese im Original nicht so gefallen haben und ich sie deshalb umschreiben wollte. Außerdem lebt eine spannende Geschichte bekanntlich von ihren authentischen Figuren - Gründe über Gründe, mir das Gesagte zu Herzen zu nehmen und die Geschichte entsprechend Schritt für Schritt zu verbessern.

Der Titel bezieht sich auf die Gegensätzlichkeit von Achilles und Agamemnon, der eine will unbedingt hinaus in den Krieg (Flut), der andere hat seine Zweifel am Unterfangen und hält dagegen (Ebbe). Es handelt sich also um eine Metapher - allerdings aber auch um einen Arbeitstitel, wie ich gestehen muss. Das eigentliche Projekt wird dann im Endeffekt nämlich anders heißen! :)

Nein, nein, von Aufgeben war nie die Rede, das Ganze geht schon weiter - ich habe lediglich öffentlich darüber sinniert, in welcher Art und Weise das wohl am Sinnvollsten wäre. Aber du hast recht, im Prinzip ist es meine Sache. Also wird's im Endeffekt genauso weitergehen, wie ich mir das vorstelle!

Ja, definitiv, genau diese Art von Kritik war es, die mir von Anfang an vorgeschwebt ist. :) Das hättest du nicht besser erwischen können, ehrlich! Gern, werde mich mit Vergnügen nun auch deinen Texten widmen, ist doch klar.
Reply
:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Nov 24, 2012  Hobbyist Writer
Ich könnte dir noch einen weiteren Tipp zu deinen Figuren geben.
Was die meisten nämlich in solchen Geschichten vergessen ist, dass Krieg einen verändert. Man sieht diejenigen Sterben mit denen man noch dreckige Witze am Frühstück gemacht hat. Dann kommen noch moralisch fragwürdige Entscheidungen, die man in der Hitze des Gefechtes (oder durch Unwissenheit) falsch einschätzt und später bereut.
Sowas sollte man nicht unterschätzen.

Ich schicke dir dann die PN mit allem drum und dran.
Reply
:iconairikanda:
AiriKanda Featured By Owner Nov 27, 2012  Professional
Vielen Dank, werde das inhaltlich auch sehr gern berücksichtigen! :) Du hast ganz recht. Und übrigens auch noch mal vielen, vielen Dank für die Korrekturen, die habe ich wirklich sehr gern gelesen und übernommen.
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